Enterale Ernährung

Wie alles begann

Wie alles begann:
Schon sehr lange ist bekannt, dass ein quantitativer oder qualitativer Nahrungsmangel zu weitreichenden Schädigungen des Organismus führt. So gab es bereits in den alten Schriften der Ägypter, Israeliten und Perser ausführliche Empfehlungen für den Gebrauch von Speisen und Getränken zur Erhaltung der Gesundheit oder zur Behandlung von Krankheiten.
Bis in die Mitte des 20.Jahrhunderts stellte sich die Frage nach speziellen Diäten nicht. Vielmehr suchten die Ärzte nach Möglichkeiten, wie man Patienten, die nicht essen können oder wollen, Nahrung zuführen kann.


Nährklistier:
Bereits vor Jahrtausenden wurde solchen Patienten Nahrung über einen Darmeinlauf, einen Nährklistier, rektal in den Enddarm verabreicht. Detaillierte Beschreibungen hierüber liegen aus der Zeit um 3400 vor Christus vor.
Dabei wurden beispielsweise Schafsmilch, Honig, Schmalz, Muttermilch oder Wein verwendet. Die Nährstoffe sollten über mehrere Stunden im Enddarm verbleiben.
Erst viel später erkannte man, dass die rektal zugeführte Nahrung nur dann in nennenswertem Maße aufgenommen wird, wenn sie die anatomische Schranke zwischen Dickdarm und Dünndarm überwindet.
Es klingt zwar verwunderlich, aber diese Art der Behandlung wurde - zusätzlich zu anderen Zufuhrwegen - noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts praktiziert.


Parenterale Ernährung:
Da die rektale Gabe von Nährstoffen zu einer unzureichenden Ernährung führte, suchten Wissenschaftler frühzeitig nach Möglichkeiten, die Nährstoffe direkt in das Blut zuzuführen. Die Grundlage für diese Möglichkeit der Nährstoffzufuhr lieferte die Entdeckung des Blutkreislaufes im Jahr 1628.
Aufgrund mangelnden oder fehlenden Wissens über notwendige Zusammensetzungen intravenös verabreichbarer Nährstofflösungen und über einzuhaltende hygienische Bedingungen waren diese Versuche jedoch lange Zeit erfolglos. Es dauerte bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, bis alle Nährlösungen und technische Hilfsmittel für eine vollständige und sichere parenterale Ernährung zur Verfügung standen.

Versuche, Nährlösungen subkutan zuzuführen, scheiterten und wurden nicht weiterverfolgt.


Zugang über Mund/Speiseröhre: Oraler Zugang
Aus dem 12. Jahrhundert stammt die erste Beschreibung über die Ernährung eines Patienten mit einer Speiseröhrengeschwulst (stenosierendes Speiseröhrenkarzinom).
Dieser Patient wurde über eine in den Rachenraum eingeführte Silberkanüle ernährt.


1570 wird die orale Ernährung über eine mit einer Blase versehenen Röhre beschrieben. Es werden verschiedene Wege der Nahrungszufuhr erwähnt, unter anderem auch durch ein mit Lammdarm umhülltes Röhrchen, das durch die Nase in den Schlund eingeführt wurde.

Der nächste Schritt war im Jahre 1644 die Entwicklung der ersten flexiblen Schlund- und Magenröhrchen, sogenannter Sonden. Aus dem Jahre 1695 stammt die früheste Abbildung der Nahrungszufuhr mit einer Injektionsspritze